Wie funktioniert Lernen?
Lernen ist wie Atmen: Es ist ein pränatal angelegter Reflex, der bereits dem Embryo im Mutterleib ermöglicht sich zu entwickeln.
Du hast Fragen, wie du dich selbstbestimmt bilden kannst? Dann komme in unser Beratungsgespräch und wir zeigen dir deinen individuellen Weg zur selbstbestimmten Bildung.
1. Wie gelingt Lernen?
Während die Atmung mit Kraft der Lungen erst ab der Geburt einsetzt, besteht der Lernprozess deutlich vorher. Ab der Geburt kann der Prozess des Lernens dann augenscheinlich beobachtet werden und sehr schnell stellen Eltern fest, dass es kaum ein Zutun Ihrerseits braucht, um diesen Prozess am Laufen zu halten. Kaum bedeutet in diesem Zusammenhang: es braucht keine Vorgabe, keinen Unterricht, keine Erklärung oder kein vorgegebenes Wissen.
Was es allerdings braucht, um den Prozess des Lernens aufrecht zu erhalten, ist eine Umgebung,
die ein friedvolles Entfalten des jungen Menschen und seiner angeborenen Potentiale ermöglicht. In diesem Umfeld befinden sich idealerweise Menschen, die selbst wertschätzend, achtsam sowie aufmerksam, vor allem aber interessiert und begeistert sind vom Leben, vom Lernen und von der verantwortungsvollen Aufgabe der Begleitung des jungen Menschen.
In diesem Umfeld wächst der junge Mensch mit einem Selbstverständnis heran, welches ihn erfahren lässt, dass Lernen ein Prozess ist, der untrennbar mit seinem Leben verknüpft ist, Freude bereitet und ihm ermöglicht neue Fähigkeiten mit bereits vorhandenen Wissen und Können zu verknüpfen.
Für gelingendes Lernen braucht es also Begeisterung, Freude, Interesse und Bereitschaft.
All das können und sollten Menschen selbst leben, sobald sie junge Menschen auf ihrem Lebensweg und / oder in ihrem Lernprozess begleiten.
Dabei gilt es stets zu beachten, dass Lernen ein subjektiver, individueller Prozess ist, der von außen nicht sichtbar ist, oft chaotisch und sprunghaft und bei optimaler Umgebung rasant schnell verläuft.
2. Was bedeutet Lernen eigentlich wirklich?
Der Wortgebrauch „Lernen“ ist umgangssprachlich durchaus negativ geprägt, da Lernen häufig mit einer mühsamen Arbeit gleichgesetzt wird.
Im Kontext der schulischen Bildung wird „Lernen“ häufig verstanden als eine Tätigkeit der wissenschaftlichen Recherche in einem Buch und / oder weiteren zur Verfügung gestellten Materialien und mit schriftlichem oder teil -schriftlichem Notieren der Ergebnisse.
Aus neurobiologischer Sicht bedeutet Lernen: Spielen, Ausprobieren, Fehler machen, Experimentieren, Scheitern, Nachahmen, Verändern, Beobachten.
Das Lernen ist eine von Natur aus gegebene Fähigkeit,
die ein jeder Mensch in sich trägt und derer er sich zu jedem Zeitpunkt seines Lebens bedienen kann. Ob und in welcher Form er sich dieser Ressource bedient, obliegt einem jedem Menschen selbst und kann nicht von außen vorgegeben, wohl aber beeinflusst werden.
Lernen ist unmittelbar und eng mit dem freien Spiel verknüpft. Im Grunde könnte es sogar als ein und dasselbe bezeichnet werden.
Das freie Spiel ermöglicht jungen Menschen all die notwendigen Möglichkeiten, die Lernen aus neurobiologischer Sicht ausmachen.
Was ist Lernen eigentlich genau?
Da das menschliche Gehirn kognitiv nicht zwischen Realität und Vorstellung unterscheiden kann, sind Menschen als einzige Spezies in der Lage, ihr Lebensumfeld einzig mit Kraft ihrer Vorstellung zu beeinflussen. Im freien Spiel wird es möglich, sämtliche Kenntnisse und Gesetze außer Kraft zu setzen und dadurch neue Verknüpfungen zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein herzustellen. Auf diese Weise verknüpft das Gehirn neue Synapsen oder reaktiviert einige ehemals Aktive. Dieser Vorgang wird als Lernen bezeichnet.
Wie wünschen sich junge Menschen Bildung?
Bildungsprozesse von jungen Menschen können durch verschiedene berücksichtigte Aspekte positiv und nachhaltig beeinflusst werden. Bildung ist mehr als nur reine Wissensvermittlung.
Verantwortungsbeswusstsein, Selbstwirksamkeit, Selbstständigkeit und Flexibilität sind Eigenschaften, die junge Menschen brauchen, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.
3. Bildung vollzieht sich als individueller und sozialer Prozess.
Lernen sollte den individuellen Bedürfnissen und Interessen entsprechend, erfahrungsorientiert, sachbezogen und sinnvoll erlebbar sein.
Lernen sollte den individuellen Bedürfnissen und Interessen entsprechend, erfahrungsorientiert, sachbezogen und sinnvoll erlebbar sein. Informelle Bildung kann mit verschiedenen Arbeitsmaterialien, Büchern, Informationsheften, Nachschlagewerken, Dokumentationen und digitalen Medien umfassend gewährleistet werden. Durch diesen Prozess der Selbstbestimmung und Selbstständigkeit erschließen sich Mathematik, Sprache, Naturwissenschaften, Physik usw.. In einem anregungsreichen und freien Umfeld wird Lernen gefördert und ermöglicht. Die Einschätzung des eigenen Könnens und die Fähigkeit zur Kooperation stärken das Selbstbewusstsein. Alle Formen des forschenden, entdeckenden, und selbständigen und selbsttätigen Lernens sind eine direkte Konsequenz des Prinzips des freien Ausdrucks des jungen Menschen.
Bildung vollzieht sich als individueller und sozialer Prozess. Kinder gestalten ihren Bildungsprozess aktiv mit. Sie sind von Geburt an mit grundlegenden Kompetenzen und einem reichhaltigen Lern- und Entwicklungspotenzial ausgestattet. Eine elementare Form des Lernens ist das Spiel, das sich zunehmend zum systematischeren Lernen entwickelt.
4. Ist das Klassenzimmer eine natürliche Lernumgebung?
Der Fehler der progressiven Pädagogen besteht meiner Meinung nach darin, dass sie davon ausgehen, dass das Klassenzimmer eine natürliche Lernumgebung ist oder sein kann. Das ist es nicht und kann es (außer unter ungewöhnlichen Umständen) auch nicht sein.
Das Klassenzimmer ist eine Umgebung, in der du eine ziemlich große Gruppe von Kindern hast, die alle ungefähr gleich alt sind, und eine Lehrkraft, deren Hauptaufgabe darin besteht, für Ordnung zu sorgen und einen Lehrplan zu vermitteln – den gleichen Lehrplan für alle. In dieser Umgebung entscheidet die Lehrkraft, was zu tun ist, nicht die Schüler/innen. Wenn die Schüler/innen entscheiden würden, würden sie sich alle für unterschiedliche Dinge entscheiden und es würde Chaos herrschen.
Egal wie liberal der Lehrer oder die Lehrerin ist, echte, dauerhafte Selbstbestimmung und Selbstmotivation sind im Klassenzimmer nicht möglich. In dieser Umgebung müssen die Kinder ihre eigenen Interessen unterdrücken, statt ihnen zu folgen. Während Kinder außerhalb der Schule lernen, was und weil sie es wollen, müssen Kinder in der Schule das lernen, was die Lehrerin oder der Lehrer von ihnen verlangt, und zwar auf die Art und Weise, wie die Lehrerin oder der Lehrer es von ihnen verlangt. Das Ergebnis ist ein langsames, mühsames und oberflächliches Lernen, bei dem es nur um das Verfahren und nicht um den Sinn geht, unabhängig von der Absicht der Lehrkraft.
Quelle: Peter Gray – Lesekriege: warum natürliches Lernen im Klassenraum scheitert. im Original: The Reading Wars: Why Natural Learning Fails in Classrooms
Erschienen am 19.11.2013 hier The Reading Wars: Why Natural Learning Fails in Classrooms
Übersetzung bei Max Sauber
Referenzen zum Text:
[1] Lynn A. Olson, James R. Evans, & Wade T. Keckler (2006). Precocious readers: Past, present, and future. Journal for the Education of the Gifted, 30, 205-235.
[2] Valerie Gail Margrain (2005). Precocious readers: Case studies of spontaneous learning, self-regulation and social support in the early years. Doctoral Dissertation, Victoria University of Wellington, School of Education. New Zealand.
[3] James S. Kim (2008). Research and the Reading Wars. In: Hess FM (Ed.), When research matters: How scholarship influences education policy, 89-111. Cambridge, MA: Harvard Education Press.
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Was ist selbstbestimmte Bildung?
Selbstbestimmte Bildung ist allen voran die Tatsache, dass junge Menschen die Verantwortung für Ihren eigenen Bildungsprozess übernehmen!
Der
Rechtliche Rahmen
Das NEIN zur Schulanwesenheitspflicht ist ein unbedingtes JA zu Bildung. Bildung unter Zwang ist jedoch mit der Würde des Menschen und seinem Recht auf Bildung nicht vereinbar.